Warum Fürstenwalde Zukunftsflächen braucht
Fürstenwalde ist Mittelzentrum. Das bedeutet: Unsere Stadt trägt Verantwortung – nicht nur für sich selbst, sondern für die gesamte Region. Arbeitsplätze, wirtschaftliche Entwicklung und kommunale Einnahmen entstehen nicht von allein. Sie brauchen Flächen, Planung und Weitblick.
Der sogenannte GIV – der großflächig gewerblich-industrielle Vorsorgestandort – ist genau das: eine Vorsorgeentscheidung.
Es geht um eine rund 60 Hektar große Fläche auf Fürstenwalder Stadtgebiet zwischen Spree, A12 und B168, die im Regionalplan als Vorranggebiet für großflächige gewerblich-industrielle Entwicklung vorgesehen ist.. Aktuell befinden sich dort überwiegend Forstflächen.
Wichtig ist außerdem: Der Standort wird interkommunal gemeinsam mit der Nachbargemeinde Langewahl entwickelt. Nur durch diese Zusammenarbeit entsteht eine Fläche, die groß genug ist, um überhaupt für größere Industrieansiedlungen in Betracht zu kommen.
Entscheidend ist dabei: Es handelt sich nicht um eine sofortige Bebauung, sondern um eine planungsrechtliche Sicherung. Der Standort wird vorbereitet, damit Fürstenwalde handlungsfähig bleibt, wenn sich größere Industrie- oder Gewerbeansiedlungen ergeben.
Warum ist das notwendig?
Die verfügbaren großen zusammenhängenden Gewerbe- und Industrieflächen in Brandenburg sind knapp. Auch in Fürstenwalde sind große zusammenhängende Industrieflächen nahezu ausgeschöpft. “Groß” meint hier insbesondere Flächen ab einer Größe von 20 bis 50 Hektar. Besonders große Industrieflächen ab etwa 100 Hektar sind in Brandenburg inzwischen selten geworden. Mit großen Ansiedlungen wie Tesla ist die Nachfrage nach solchen Flächen deutlich gestiegen. Wer heute als Mittelzentrum keine Reserveflächen hat, verliert morgen Investitionen.
Und mit jeder verlorenen Investition verlieren wir:
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- Arbeitsplätze
- Gewerbesteuereinnahmen
- wirtschaftliche Stabilität
- Handlungsspielraum im Haushalt
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Ohne wirtschaftliche Entwicklung gibt es keine langfristige finanzielle Sicherheit für Schulen, Straßen, Kultur, Sport oder soziale Projekte.
Ich bin überzeugt: Eine Stadt darf nicht nur verwalten, sie muss vorsorgen. Wirtschaftliche Handlungsfähigkeit ist Voraussetzung für gute Entwicklung.
Der sensible Punkt: Wald und Natur
Ja, ein Großteil der Fläche ist derzeit als „Wald“ dargestellt. Und natürlich ist jeder Eingriff in Natur und Landschaft ernsthaft abzuwägen. Gleichzeitig ist es wichtig, zwischen naturnahem Wald und forstwirtschaftlich geprägten Beständen zu unterscheiden.
Der deutlich größte Anteil – das zeigt die Machbarkeitsstudie – besteht aus Kiefernforstbeständen, die über Jahrzehnte gezielt für die Holzproduktion angelegt wurden. Außerdem gilt auch hier: Eine Waldumwandlung ist rechtlich nur unter strengen Voraussetzungen möglich. Ersatzaufforstungen und Kompensationsmaßnahmen sind verpflichtend. Es wird also nicht „einfach gerodet“. Die Machbarkeitsstudie hat bereits erste Einschränkungen der Fläche aufgezeigt. Schützenswerte Bereiche wurden identifiziert und werden ausgeklammert. Der so konsolidierte Entwicklungsraum umfasst – einschließlich der Flächen auf dem Gebiet von Langewahl – rund 240 Hektar und ist damit bereits 190 Hektar kleiner als ursprünglich untersucht.
Ich nehme die Sorgen ernst. Natur- und Klimaschutz sind wichtig. Gleichzeitig sind solche Kiefernforste Teil einer Nutzungskette: Bäume wachsen, werden geerntet, das Holz wird genutzt und anschließend wächst wieder neuer Wald nach. Wird Holz im Bau eingesetzt, bleibt der darin gebundene Kohlenstoff oft über viele Jahrzehnte gespeichert. Auch der Bereich, auf dem der GIV entstehen soll, gehört zu diesen forstwirtschaftlich geprägten Beständen.
Das erste nachhaltig geplante DGNB-zertifizierte Gewerbegebiet
Um diesen Anspruch zu untermauern, haben wir gemeinsam mit der DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen) ein Pilotprojekt gestartet. Ziel ist es, den neuen GIV bereits mit dem Bebauungsplan als besonders nachhaltiges Gewerbe- und Industriegebiet zu entwickeln. Unternehmen können damit wichtige Nachhaltigkeitsstandards erfüllen, die heute von Banken, Investoren und Anteilseignern zunehmend vorausgesetzt werden – bereits mit der Entscheidung für den Standort Fürstenwalde.
Zusammen mit dem Konzept der autarken Energieversorgung und der Ausgabe von kostenfreien CO2 Zertifikaten können wir dann die klaren Standortvorteile unserer Stadt voll ausspielen und werden so attraktiv für weitere große Unternehmen, die uns wie Daiwa House (Potentiale der Daiwa House Ansiedlung) die Möglichkeiten für höhere Gewerbesteuereinnahmen und Arbeitsplätze eröffnen.
Vorsorge statt Stillstand
Der GIV ist kein kurzfristiges Projekt. Es ist eine strategische Flächenreserve für die wirtschaftliche Entwicklung unserer Stadt. Wenn wir heute nicht vorsorgen, stehen wir morgen vor verschlossenen Türen. Dann entscheiden andere Regionen über Ansiedlungen – nicht wir.
Fürstenwalde braucht Unternehmen, die hier investieren, Arbeitsplätze schaffen und langfristig Wertschöpfung in unserer Region halten. Dazu gehören moderne Industrie, innovative Unternehmen, emissionsarme Produktion und eine Entwicklung, die wirtschaftliche Stärke und Klimaschutz miteinander verbindet.
Und ja – wir müssen dabei Industrie und Klimaschutz zusammendenken.
Ich will, dass neue Ansiedlungen höchsten ökologischen Standards entsprechen und mit unseren Klimazielen vereinbar sind.
Die größere Perspektive
In den kommenden Jahren stehen enorme Investitionen an: Schulen, Infrastruktur, soziale Einrichtungen, Sportstätten, kommunale Gebäude. Gleichzeitig geraten kommunale Haushalte bundesweit unter Druck. Ohne eine stabile wirtschaftliche Basis wird jede freiwillige Leistung zur Zitterpartie.
Der GIV verfolgt deshalb ein klares Ziel: die finanzielle Grundlage unserer Stadt langfristig zu sichern.
Diese Perspektive auszublenden halte ich für verantwortungslos.
Verständnis und Verantwortung
Mir ist bewusst, dass solche Planungen Fragen aufwerfen. Jede Fläche hat eine Bedeutung – ökologisch und emotional, vielleicht auch ideologisch.
Aber Politik muss abwägen und an dieser Stelle ist es tatsächlich einmal nicht sehr schwer. Wer heute jede Entwicklung blockiert, muss morgen erklären, wo Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und finanzielle Stabilität herkommen sollen.
Fürstenwalde braucht beides: Schutz von echten ökologisch relevanten Naturräumen und wirtschaftliche Stärke – das schließt sich nicht aus.
Ich stehe für eine Stadt, die beides ernst nimmt – und beides miteinander verbindet.