Klimaschutz regional gestalten
Klimaschutz wird häufig global diskutiert. Mir ist wichtig, ihn konkret für Fürstenwalde zu denken.
Unsere Stadt verfügt über mehr als 4700 Hektar eigene Waldflächen. Seit Jahrhunderten. Das ist fast die Hälfte der gesamten Fläche der Stadt. Wälder binden über viele Jahre CO₂ im Holz. Der Waldbesitzerverband, in dem wir Mitglied sind und der Werkleiter unseres Eigenbetriebs Stadtforst lange Jahre den Vorsitz innehatte, errechnete für eine Kampagne diese Speicherleistung auf 8 Tonnen pro Jahr und Hektar. Diese CO₂-Bindung kann unter bestimmten Voraussetzungen nach anerkannten Standards zertifiziert werden. Daraus entstehen sogenannte CO₂-Zertifikate.
Ich setze mich seit Jahren zusammen mit unserem Stadtforst dafür ein, diese Speicherleistung in Form von CO₂-Zertifikaten handelbar zu machen. Wenn wir diese Zertifikate verkaufen können, dann generieren wir auf diese Weise eine verlässliche Einnahmequelle für unseren Stadtforst, damit dieser dann den notwendigen Waldumbau von der Kiefernmonokultur hin zum höherwertigeren und resilienteren Mischwald finanzieren kann. Unter Umständen entstehen dadurch auch noch Überschüsse beim Stadtforst, die dann an den kommunalen Haushalt abgeführt oder für weitere Holzhäuser der Forstservice GmbH bzw. die Umsetzung des lange geplanten Campingplatzes an der Spree genutzt werden können.
Der aktuelle Börsenpreis liegt bei ca. 70 € pro Tonne CO₂ für die offiziellen EU-Zertifkate (auch Verschmutzungsrechte genannt). Gehen wir davon aus, dass sich für unsere eigenen Zertifikate 30€ pro Tonne erzielen lassen, dann bedeutet dies eine stabile Einnahme von über einer Million € pro Jahr für den Stadtforst.
Ich sehe im Rahmen der Wirtschaftsförderung noch eine weitere Möglichkeit unseren Stadtforst als Standortfaktor zu nutzen: Unternehmen, die Emissionen nicht vollständig vermeiden können, können diese unter klar geregelten Bedingungen mittels solcher Zertifikate kompensieren. Ich halte es für sinnvoller, wenn diese Kompensation nicht anonym irgendwo auf der Welt stattfindet, sondern hier vor Ort.
Wenn Fürstenwalder Unternehmen ihre unvermeidbaren Emissionen auch hier in Fürstenwalde ausgleichen können, bleibt die Wertschöpfung in der Region. Gleichzeitig werden unsere Waldflächen langfristig gesichert und nachhaltig bewirtschaftet. Mein Ziel ist es, dass wir einen Anteil der Zertifikate, vielleicht 30 bis 50% kostenfrei Unternehmen anbieten, die sich bewusst für den Standort Fürstenwalde entscheiden. Sozusagen als direkte Förderung für Ansiedlungen, die uns als Stadt aber kaum etwas kostet. Das gleiche gilt natürlich auch für Unternehmen, die bereits hier vor Ort sind.
Zusammen mit der Nutzung der hier vor Ort erzeugten Energie aus Wind, PV und auch Abwärme können wir bereits bei der Planung Gewerbegebiete ausweisen, die schon von Beginn an die Nachhaltigkeitskriterien der Unternehmen berücksichtigen und abdecken.
Getreu nach dem Motto: Entscheiden Sie sich für Fürstenwalde und Ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung ist automatisch erfüllt.
Ich glaube nicht an Klimaschutz gegen die Wirtschaft. Ich glaube an Klimaschutz mit der Wirtschaft. Fürstenwalde soll ein attraktiver Standort bleiben. Wenn wir ökologische Verantwortung mit regionaler Wertschöpfung verbinden, entsteht daraus ein echter Mehrwert für unsere Stadt.
Ich fahre lieber in unseren Wald als in eine Großstadt. Naturschutz ist für mich Klimaschutz. Ohne Ideologie. Gleichzeitig weiß ich, dass wir wirtschaftlich handlungsfähig bleiben müssen, um Umweltprojekte überhaupt umsetzen zu können und nachhaltig zu sein.
CO₂-Zertifikate können ein Instrument sein, beides zusammenzubringen – Natur schützen und Wirtschaft stärken.