Fürstenwalde energieautark denken
Für mich ist Energiepolitik keine ideologische Frage, sondern eine Standortfrage.
Wenn wir ehrlich sind, stehen Kommunen in Deutschland vor zwei zentralen Herausforderungen: steigende Energiepreise und strukturelle Unterfinanzierung. Beides betrifft unsere Unternehmen unmittelbar – und damit Arbeitsplätze, Investitionen und Lebensqualität in Fürstenwalde.
Mein Ziel ist klar:
Die Energie, die in Fürstenwalde verbraucht wird, soll perspektivisch auch hier vor Ort erzeugt werden.
Ich halte es für falsch, wenn wir vor Ort Wind- oder Solarenergie erzeugen, aber unsere Unternehmen am Ende Strompreise zahlen, die keinen regionalen Vorteil widerspiegeln.
Ich führe bereits seit geraumer Zeit Gespräche mit den Unternehmen e.dis Netz, 50Hertz und Energieerzeugern. Es haben bereits mehrere Gesprächsrunden mit allen relevanten Akteuren gegeben. Es geht darum, den hier produzierten Ökostrom nicht einfach ins Übertragungsnetz “verschwinden” zu lassen, sondern ihn über Direktvermarktung hier vor Ort nutzbar zu machen. Hier in Brandenburg wird der Strom erzeugt, der dann über die überregionalen Trassen in die großen energiehungrigen Industriezentren im Westen und Süden transportiert wird. Der “Lohn” dafür ist, dass die Verbraucher hier in Brandenburg über weite Strecken die höchsten Strompreise zahlen müssen. Die Wertschöpfung entsteht aber woanders. Das ist nicht mehr vermittelbar. Wenn wir es schaffen, diesen Strom kostengünstiger unseren Unternehmen zur Verfügung zu stellen, entsteht ein echter Wettbewerbsvorteil.
Das bedeutet konkret:
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- niedrigere Energiekosten für Betriebe
- mehr Spielraum für bessere Löhne
- mehr Investitionen in Innovation
- höhere Standortattraktivität
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Energie ist der Produktionsfaktor des 21. Jahrhunderts. Wer Energie kontrolliert, kontrolliert Wertschöpfung.
Ich bin überzeugt:
Ein Innovationsfonds allein reicht nicht.
Wirtschaftsförderung allein reicht nicht.
Subventionen allein reichen nicht.
Wir wollen Unternehmen halten und neue gewinnen. Energiepreise sind dabei ein entscheidender Faktor. Wenn wir es schaffen, regional erzeugte Energie auch regional verfügbar zu machen, entsteht daraus ein echter Standortvorteil. Ich verbinde damit Klimaschutz, wirtschaftliche Stabilität und regionale Wertschöpfung.
Energieautarkie bedeutet aber nicht, sich komplett vom überregionalen Netz zu trennen. Sie bedeutet, die eigenen Potenziale konsequent zu nutzen und Wertschöpfung in der Region zu halten.
Es geht um:
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- intelligente Netznutzung
- Kombination mit unterschiedlichen Speichermöglichkeiten
- Kooperation mit Netzbetreibern und Erzeugungsanlagenbetreibern
- wirtschaftlich tragfähige Modelle
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Solche Konzepte sind komplex und erfordern enge Abstimmung mit Netzbetreibern, Erzeugern und regulatorischen Rahmenbedingungen. Viele Entscheider müssen identifiziert, von der Idee begeistert und koordiniert werden. Das dauert seine Zeit. Da muss man konsequent dranbleiben und einen langen Atem haben. Das habe ich in den letzten Jahren mit großem Einsatz getan.
Wir müssen uns Fortschritt trauen.
Und dazu gehört, Energie neu zu denken – wirtschaftlich, nicht ideologisch. Und manchmal auch der Mut, laut eine Veränderung des gesetzlichen Rahmens einzufordern. Das ist meine Rolle als Bürgermeister.