Warum dieses Thema für mich entscheidend ist

Matthias Rudolph im Gewerbegebiet in Fürstenwalde.
Eine Stadt kann nur das leisten, was sie sich leisten kann. Für mich sind starke Wirtschaft und stabile Finanzen die Grundlage dafür, dass wir überhaupt gestalten können: Bildung, Infrastruktur, soziale Angebote, Sicherheit – all das braucht eine stabile finanzielle Basis und eine Wirtschaft, die hier vor Ort Arbeitsplätze schafft und Steuern erwirtschaftet.
Wer das ausblendet, betreibt Politik auf Verschleiß. Wer es ernst meint, muss priorisieren, erklären – und auch unbequeme Entscheidungen treffen. Ich bin bereit dazu. Denn am Ende geht es nicht um Schlagworte, sondern um Handlungsfähigkeit.
Stabil bleiben – ohne die Stadt kaputtzusparen
Ich werde keine Politik machen, die Haushaltsprobleme einfach auf Grundstückseigentümer, Hundebesitzer, Familien, und Unternehmen abwälzt. Höhere Steuern und Gebühren sind der schnelle Reflex – aber er schwächt genau die, die unsere Stadt tragen.
Stattdessen setze ich auf klare Prioritäten, Ausgabendisziplin und effizientere Abläufe. Nicht alles geht gleichzeitig. Nicht alles sofort. Aber Stillstand ist keine Lösung. Ich will, dass Fürstenwalde auch in schwierigen Jahren investitionsfähig bleibt – gezielt, wirksam und mit Plan.
Handlungsfähigkeit beginnt mit soliden Finanzen. Ohne verlässliche Grundlagen lassen sich weder Projekte umsetzen noch Zukunft gestalten. Als ich das Amt übernommen habe, war die finanzielle Ausgangslage der Stadt mehr als angespannt. Über 100 Mio. € Schulden, allein der Kassenkredit war mit rund 20 Mio. € in Anspruch genommen, ein Schattenhaushalt belastete uns zusätzlich mit weiteren Millionen. Begrenzte Spielräume, bestehende Risiken und strukturelle Altlasten bestimmten viele Entscheidungen. Seitdem sind rund 80 Mio. € Schulden abgebaut worden. Eine Mammutaufgabe mit vielen Diskussionen. Es gab einige politische Kräfte, die noch mehr Schulden machen wollten, weil die Zinsen ja so niedrig waren. Ich konnte mich trotzdem durchsetzen.
Dadurch ist es in den vergangenen Jahren gelungen, die finanzielle Situation der Stadt Schritt für Schritt für Schritt zu stabilisieren. Strukturen wurden überprüft, Prioritäten klarer gesetzt und Entscheidungen konsequent an ihrer langfristigen Wirkung ausgerichtet. Unter stabilen Rahmenbedingungen wäre Fürstenwalde damit auf einem guten Weg gewesen, wieder größere finanzielle Spielräume zu gewinnen und den Haushalt perspektivisch positiv zu entwickeln. Zur Wahrheit gehört jedoch auch: Die Rahmenbedingungen für Kommunen haben sich deutlich verschlechtert. Auf der einen Seite stehen unsichere oder eingebrochene Einnahmen, insbesondere bei Steuern. Auf der anderen Seite steigen die Ausgaben kontinuierlich und teils sprunghaft – durch höhere Kreisumlagen, stark gestiegene Energie- und Stromkosten, wachsende Personalkosten sowie durch immer mehr Pflichtaufgaben, die von Land und Kreis auf die Kommunen übertragen werden, ohne dass diese dauerhaft ausfinanziert sind.
Diese strukturelle Schieflage stellt die in den vergangenen Jahren erarbeitete Stabilität auf wacklige Füße. Nicht, weil falsch gewirtschaftet wurde, sondern weil Einnahmen und Pflichtausgaben zunehmend auseinanderlaufen. In einer solchen Situation ist es notwendig, freiwillige Ausgaben kritisch zu hinterfragen und sich immer wieder ehrlich zu fragen, welche Ausgaben notwendig, verantwortbar und dauerhaft tragfähig sind.
Gleichzeitig gilt: Nicht zu investieren wäre der falsche Weg. Wer notwendige Investitionen dauerhaft aufschiebt, verschiebt Probleme lediglich in die Zukunft – oft zu höheren Kosten. Gerade für Kommunen bedeutet sinnvolles Investieren, Folgekosten zu vermeiden, Strukturen zu erhalten und langfristige Belastungen zu reduzieren. Entscheidend ist daher nicht, ob investiert wird, sondern wie: maßvoll, durchdacht und mit Blick auf die langfristige Wirkung für den städtischen Haushalt.
Dass Fürstenwalde heute noch handlungsfähig ist, liegt auch daran, dass in den vergangenen Jahren verantwortungsvoll, vorsichtig und strukturiert gearbeitet wurde. Ohne diesen Kurs wären zentrale Spielräume bereits verloren gegangen. Solide Finanzen sind kein Selbstzweck – sie sind die Voraussetzung dafür, dass Fürstenwalde auch in schwierigen Zeiten gestalten kann.
Wirtschaft verstehen heißt Wirtschaftssprache sprechen
Unternehmen brauchen Planungssicherheit, verlässliche Ansprechpartner und eine Verwaltung, die versteht, wie Betriebe denken. Ich sehe meine Aufgabe als Bürgermeister darin, Wirtschaft auf Augenhöhe zu begegnen: zuhören, begleiten, möglich machen – und die Realität der Betriebe ernst nehmen. Das kann ich durch mein Studium der Betriebswirtschaft und meine jahrzehntelange berufliche Entwicklung als Angestellter, aber auch als Selbstständiger und nun als Führungskraft mit Verantwortung für rund 400 Angestellte leisten. Ich denke und spreche genau wie Unternehmerinnen und Unternehmer. Das ist nicht zu unterschätzen.

Matthias Rudolph vor der Bonava Deutschland Zentrale.
Unser Ziel ist klar: bestehende Unternehmen halten, neue Unternehmen ansiedeln und Arbeitsplätze vor Ort schaffen. Jeden Tag pendeln rund 8.000 Menschen aus Fürstenwalde zur Arbeit in andere Orte. Gleichzeitig pendeln auch genauso viele Menschen aus dem Umland zu uns, um hier vor Ort zu arbeiten. Das ist kein Makel – das ist Potenzial. Dieses Potenzial will ich stärker für unsere Stadt nutzen: durch bessere Rahmenbedingungen, durch kluge Standortpolitik (mehr zum Thema Wirtschaftsförderung) und durch Angebote, die Arbeitsplätze nach Fürstenwalde holen.
Fürstenwalde energieautark denken – Wertschöpfung vor Ort halten
Ein zentrales Zukunftsthema ist Energie. Ich will, dass Fürstenwalde mittelfristig so aufgestellt ist, dass die Energie, die wir hier verbrauchen, auch möglichst hier erzeugt wird. Nicht als grüner Slogan, sondern als wirtschaftlicher Vorteil.
Wir sind dazu seit geraumer Zeit in Gesprächen mit e.dis Netz, 50Hertz und Entwicklern von Energieerzeugungsanlagen. Unser Ziel ist, dass Ökostrom, der hier vor Ort produziert wird, auch in Fürstenwalde bleibt – und über Direktvermarktung (mehr zum Thema Energieversorgung) kostengünstiger den Unternehmen vor Ort zur Verfügung gestellt werden kann.
Wenn Unternehmen hier günstigeren Strom bekommen, entstehen echte Spielräume: für bessere Bezahlung, Investitionen, Innovationen. Das ist Standortpolitik ganz konkret – und gleichzeitig ein Schritt zur regionalen Unabhängigkeit.
Zusätzlich bietet uns das Möglichkeiten hier Unternehmen anzusiedeln, die sehr viel Energie benötigen, wie Rechenzentren oder Produzenten von grünem Wasserstoff. Das bringt weitere Standortvorteile.
Ein Innovationsfonds für Fürstenwalde – 1 Million Euro pro Jahr für neue Ideen
Regionen sichern ihre wirtschaftliche Zukunft nicht allein durch Infrastruktur und Ausgleichspolitik. Sie sichern sie durch Innovation. Nicht, indem man Geld verschenkt, sondern indem man Kapital bereitstellt, damit Unternehmen neue Ansätze ausprobieren können – Pilotprojekte, Modelle, Prototypen.
Mein Plan ist deshalb ein Innovationsfonds für Fürstenwalde, ausgestattet mit einer Million Euro pro Jahr. Nicht sofort, sondern nach und nach aufwachsend, so wie es die Haushaltslage unserer Stadt ermöglicht. Es ist ein Ziel. Ich will damit nicht „Geld verteilen“, sondern Zukunft ermöglichen. Wer jetzt einwendet, dass man auf der anderen Seite freiwillige Leistungen kürzt und ich hier Geld in Innovation stecken will, dem halte ich entgegen: gerade freiwillige Leistungen profitieren davon, wenn eine Region wirtschaftlich stärker wird. Die Haushaltskrise zeigt nicht, dass wir Innovationen nicht brauchen. Sie zeigt, dass wir sie früher gebraucht hätten.
Ein Innovationsfonds stärkt regionale Selbstwirksamkeit statt Abhängigkeit von externen Großprogrammen. Er stärkt die Bindung von Unternehmen an den Standort – und am Ende auch die Identität der Stadt.
Gewerbesteuer neu denken – Vertrauen schaffen, Verantwortung teilen
In vielen Gesprächen mit Unternehmerinnen und Unternehmern habe ich wahrgenommen: Nicht die Gewerbesteuer an sich ist das Problem, sondern das Misstrauen, was mit dem Geld passiert. Ich kann mir vorstellen, die Gewerbesteuerzahlung künftig aufzuteilen: 80 Prozent werden wie gewohnt gezahlt. Und über 20 Prozent des festgesetzten Betrags können die Unternehmen selbst mitentscheiden – unter der Bedingung, dass sie nachweisen, dass das Geld dem Gemeinwohl in Fürstenwalde zugutekommt. Für Infrastruktur, für gemeinwohlorientierte Projekte, vielleicht für den Sportverein des Herzens. Vielleicht tun sich Unternehmen zusammen und erreichen gemeinsam mehr.
Verwaltung als Standortfaktor – Digitalisierung richtig oder gar nicht
Eine funktionierende Verwaltung ist ein echter Wirtschaftsfaktor. Lange Verfahren, doppelte Strukturen, unnötige Bürokratie kosten Zeit, Geld und Vertrauen. Deshalb treibe ich Digitalisierung und Effizienz voran – aber nicht als halbe Lösung.
Mein Ansatz ist: Digitalisierung richtig oder gar nicht. Ich will nicht, dass wir Prozesse doppelt fahren – analog für die einen und digital für die anderen – und damit am Ende beides schlecht machen. Digitalisierung muss Standards schaffen, Prozesse vereinfachen und die Verwaltung spürbar schneller machen. Und dort, wo Menschen Hilfe brauchen, müssen wir unterstützen – aber nicht alles doppelt und dreifach bauen.
Städtische Strukturen verschlanken – Konzentration statt Dauerumbau
Fürstenwalde muss sich auch bei den eigenen Strukturen fragen: Wo haben wir Doppelungen? Wo sind Gesellschaften mit städtischer Beteiligung zu kleinteilig? Wo kostet Organisation mehr, als sie bringt?
Ich will städtische Strukturen konzentrieren und schlagkräftiger machen. Dazu gehören Ideen wie: Gesellschaften zusammenführen, Aufgaben bündeln, unnötige Zwischenstrukturen reduzieren. Nicht aus Ideologie, sondern aus Vernunft. Denn jedes eingesparte System kostet nicht nur weniger Geld, sondern macht Entscheidungen schneller und Zuständigkeiten klarer.
Meine Haltung
Starke Wirtschaft und stabile Finanzen entstehen nicht durch Ankündigungen. Sie entstehen durch Disziplin, Mut zur Veränderung und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen – auch wenn Entscheidungen unbequem sind.
Ich will, dass Fürstenwalde nicht verwaltet wird, sondern gestaltet. Und dass wir uns den Mut behalten, neue Wege zu gehen.