Bahnhofsumfeld: Angsträume abbauen, Ordnung herstellen

Wenn es um fehlendes Sicherheitsgefühl geht, geht es spätestens seit letztem Jahr vor allem um den Bahnhof, den Fußgängertunnel, die Eisenbahnstraße und das Umfeld. Mehrere Konflikte sind eskaliert, es gab Übergriffe. Die allgemeine Wahrnehmung hat dadurch massiv gelitten. Menschen fühlen sich hier mittlerweile unwohl, einige haben Angst. Der Bahnhof lässt sich für viele aber kaum meiden. Der Bahnhof ist mit seinen vielen aufeinandertreffenden Zuständigkeiten ein besonderes Gebiet. Die Bundespolizei ist im Zug verantwortlich, die Deutsche Bahn im Bahnhof selbst und im Umfeld die Landespolizei bzw. Ordnungsamt. Es liegt an uns, diese Kräfte zusammenzuziehen, dass wir gemeinsam noch wirksamer handeln.

Im Januar wurde für den Bahnhof und das Umfeld eine Ordnungs- und Sicherheitspartnerschaft erneuert – die gerade benannten Partner arbeiten jetzt enger und abgestimmter zusammen. Der Bahnhof, insbesondere die Bahnsteige und die Überführung werden in diesem Jahr durch die Deutsche Bahn modernisiert, was die Aufenthaltsqualität deutlich verbessern wird. Das Bahnhofsgebäude selbst wurde durch die Stadt gekauft. Hier gibt es erste Überlegungen zur künftigen Nutzung. Anbieten würde sich eine gemeinsame Anlaufstelle von Polizei und Ordnungsamt sowie vielleicht das Tourismusbüro. Solch eine Belebung des Gebäudes kann gefühlte Unsicherheit deutlich reduzieren. Auch um den Tunnel kümmern wir uns, denn er ist für viele ebenfalls ein Angstraum. Die umfassende Erneuerung der Beleuchtung steht für dieses Jahr im Haushalt, das „dunkle Loch“ ist dann Geschichte. Und das Fahrradparkhaus auf der Nordseite wird für die Fahrradpendler dank der Zugangskontrolle und Videoüberwachung einen deutlichen Sicherheitsgewinn bringen. Zusammen sorgen diese Einzelbausteine noch in diesem Jahr für eine spürbare Verbesserung im Bahnhofsumfeld.

Eisenbahnstraße: Sicherheit vor Illusionen

Die Eisenbahnstraße war früher Einkaufsstraße, Flaniermeile. Diese Zeit ist vorbei. Das ist zwar schade, aber wichtig zu akzeptieren – alles andere ist Augenwischerei. Kaufkraft hat sich verlagert, Strukturen haben sich geändert, private Eigentümer bestimmen die Nutzung. Das lässt sich nicht zurückdrehen. Die Stadtverwaltung hat keinerlei Steuerungsmöglichkeiten bei Eigentümerwechseln der Gebäude oder Vermietungen. Lesen Sie mehr dazu im Unterpunkt Eisenbahnstraße. Dafür hätten bereits in den 90er Jahren die entsprechenden Instrumente geschaffen werden müssen. Aber es können heute Ideen für Alternativen entwickelt werden. Lesen Sie hierzu mehr unter dem Punkt Altstadtbelebung.Was die Stadt für die Eisenbahnstraße leisten kann, ist etwas anderes: mit Sicherheitskräften Präsenz zeigen, Ordnung herstellen und sichern, Sauberkeit gewährleisten, Angsträume beseitigen. Das tun wir. Mit dem Abriss der Eisenbahnstraße 118 beispielsweise. Der Schandfleck wurde beräumt und kann jetzt entwickelt werden. Ein weiterer Baustein für mehr Ordnung und Sauberkeit: Die neue Straßenreinigungssatzung. Sie überlässt für die Innenstadt nichts mehr dem Zufall. Die Gehwege in der Innenstadt werden mit Inkrafttreten der neuen Satzung 14-täglich manuell gereinigt. Ein einheitlich sauberes Stadtbild soll den Eindruck unserer Innenstadt prägen. Es darf nicht von den Eigentumsverhältnissen abhängen, ob eine Straße gepflegt ist oder verdreckt. Hier mehr zum Thema Straßenreinigung.

Sicherheit in den Kiezen

Bahnhof und Eisenbahnstraße sind für viele zwar die sichtbarsten Orte der Stadt und deswegen in der Diskussion sehr präsent. Aber der Alltag spielt woanders: in den Wohngebieten. Dort wachsen Kinder auf, dort gehen ältere Menschen zu Fuß einkaufen, dort entscheidet sich, ob Nachbarschaft funktioniert.

In Fürstenwalde gibt es Quartiere, in denen Probleme nicht punktuell auftreten, sondern dauerhaft. Ich höre das immer wieder in Gesprächen vor Ort. Weil sich Belastungen dort bündeln.

Ein zentraler Punkt ist die starke Konzentration von bezahlbarem Wohnraum. Wenn zu viel auf einen Ort fällt, überfordert das Nachbarschaften und erschwert Zusammenleben. Deshalb arbeite ich daran, diese Bündelung aufzubrechen. Dazu brauchen wir mehr Angebote. Neue Wohngebiete müssen von Anfang an gemischt geplant werden. In der Spreevorstadt ist das fester Teil der Planung, für die Lange Straße gibt es entsprechende Zusagen. Insbesondere Familien brauchen Alternativen – nicht das Gefühl, ausweglos festgelegt zu sein, wenn sie über wenig Einkommen verfügen.

Darüber hinaus funktioniert Integration nicht durch Abschottung. Sie kann nur erfolgreich sein, wenn die Verhältnisse stimmen. Die Menschen dürfen nicht an einem Ort konzentriert und somit isoliert werden – so entsteht keine Integration, durch die wir alle gewinnen könnten, so entstehen Parallelgesellschaften mit unüberschaubaren Folgeproblemen. Deshalb setze ich mich auch auf Kreis- und Landesebene für eine bessere Verteilung bei der Zuweisung von sozialem Wohnraum ein. Menschen einfach an einem Ort „abzuladen“ und zu hoffen, dass sich der Rest regelt, hat noch nie funktioniert, kann es auch nicht. Die Probleme wachsen ins Unermessliche.

In einigen Wohngebieten gibt es zahllose Konflikte auch mit den angrenzenden Nachbarschaften. Was helfen kann, ist Präsenz. Jemand, der ansprechbar ist und eingreift, bevor Konflikte größer werden. Deshalb halte ich auch hier eine Stadtpolizei für notwendig – sichtbar im Quartier, zuständig im Alltag.

Sicherheit entsteht durch soziale Kontrolle, durch Leben im öffentlichen Raum, dazu braucht es Orte, an denen sich Menschen gern aufhalten – ein weiterer Baustein. Die Große Freizeit in Fürstenwalde Nord ist ein ganz wichtiger Impuls: eine Millionen-Investition in Lebensqualität, besonders für junge Menschen.

Auch die Verlagerung des Hauptstandortes der Verwaltung nach Fürstenwalde Nord trägt hoffentlich ihren kleinen Teil bei. Das Signal ganz klar: Wir sind da und ansprechbar.

Mein Anspruch für Fürstenwalde ist eindeutig: Niemand soll Wege meiden müssen. Nicht abends. Nicht morgens. Nicht aus Unsicherheit. Der öffentliche Raum muss ein sicherer Ort sein, insbesondere für unsere Kinder.

Deshalb gilt für mich: Sicherheit zählt. Nicht als Schlagwort, sondern als tägliche Aufgabe.