Kindheit
Ich bin 1976 in Bad Saarow geboren worden und zunächst in Fürstenwalde Nord aufgewachsen. Meine Eltern waren beide „Werktätige“ im VEB CTA und so hatten wir das große Glück eine Wohnung mit Ofenheizung und innenliegendem Bad in der Strausberger Str. beziehen zu dürfen. Da gab es ausreichend Platz für uns alle – bis dann 1981 mein Bruder auf die Welt kam. Ab da musste ich mir ein Zimmer mit ihm teilen, was nicht immer ohne Streitereien funktionierte. Mit 7 wurde ich eingeschult – in der POS I „Werner Seelenbinder“. Damals war meine Mutter abends öfter mal unterwegs zu irgendwelchen Sitzungen. Ich habe das nie wirklich so richtig verstanden. Heute weiß ich, was das für Sitzungen waren. Meine Mutter, Carola Rudolph war damals Mitglied der Stadtverordnetenversammlung in Fürstenwalde für die LDPD.
6 Jahre später kam die Wende. Den ersten Sonnabend nach dem Mauerfall werde ich nie vergessen. Normalerweise war es ein Schultag, aber ich glaube an diesem Tag war kein Kind wirklich in der Schule. Ich jedenfalls nicht. Ich war in Berlin, im Westen, zum ersten Mal. Plötzlich war alles anders. Das Schulsystem wurde jedes Jahr irgendwie geändert, Sonnabend war kein Schultag mehr, meine Schule wurde zu einem Gymnasium und nun musste entschieden werden, ob es der Abschluss der 10. Klasse werden sollte oder das Abitur. Ich habe mich für letzteres entschieden. Zwischenzeitlich stand noch der Umzug nach Fürstenwalde Süd an, wo ich fortan wohnte. Zu den eher nervigen Umstellungen gehörte, dass ich nun nicht mehr in den Genuss kam den Führerschein mit 14 zu machen, um dann mit 15 endlich Moped fahren zu dürfen. Ein frustrierendes Erlebnis so kurz bevor man das entsprechende Alter erreicht hatte. Also musste ich noch zwei Jahre länger mit dem Fahrrad zur Schule fahren.
Schulzeit & Jugend
Mit der Wiedervereinigung hielten auch neue Sportarten Einzug in den Sportunterricht. Mein damaliger Lehrer Jens Voigt probierte so ziemlich alles mit uns aus. So kam es, dass er eines Tages mit einem Basketball in der Hand vor uns stand und uns erklärte, dass dies die Bälle sind, die man normalerweise in diese gusseisernen Ringe in der Halle wirft. Bislang hatten wir uns immer gefragt wofür man die Dinger wohl wirklich braucht. Viele aus meiner Klasse waren fasziniert von diesem Sport und wenn die Frage kam: „Was wollen wir denn heute im Sportunterricht machen?“, war die Antwort meistens „Basketball spielen“. Das endete in der Idee von Jens Voigt einen eigenen Sportverein zu gründen, damit wir noch mehr Gelegenheiten zum Spielen und Trainieren hatten. Kurzum, es gab eine Reihe von Schülern die begeistert von der Idee waren und so kam es dazu, dass ich 1992 Gründungsmitglied der „Wood Street Giants“ wurde. Bis zum Ende meiner Schulzeit wurde ich nicht nur Spieler, sondern auch Trainer diverser Mannschaften und Schiedsrichter.
Ab der elften Klasse wechselte ich zum Geschwister-Scholl-Gymnasium. Erst eher unfreiwillig, möglicherweise war ich den meisten meiner damaligen Lehrer zu unbequem geworden. Die Klassen wurden (mal wieder) komplett neu zusammengewürfelt und plötzlich gab es Kurse. Kein Mensch wusste damals wie das alles funktionieren sollte, nicht einmal die Lehrer hatten einen wirklichen Plan. Jedenfalls musste man für das Abitur nun nicht mehr 12, sondern 13 Jahre die Schulbank drücken. In dieser Zeit wurde ich erneut (aber doch unterbewusst) politisch geprägt. Viele meiner Klassenkameraden fühlten sich linken Gruppen zugehörig, ich war eher liberal und habe dieses Lagerdenken nie so richtig begriffen. Immerhin war es auch die Zeit in der rechte Gruppierungen prügelnd durch die Straßen zogen. In Ermangelung von „Ausländern“ schlug man aber auch gern auf alles ein, was einem gerade vor die Fäuste lief. Wahrscheinlich hing meine Einstellung auch mit meiner Tante zusammen, Waltraud Rudolph, eine sehr beliebte Lehrerin in Fürstenwalde Nord. Sie war zu der Zeit Stadtverordnete der FDP in Fürstenwalde und Mitglied des Kreistages.
1994 stand der lang ersehnte 18. Geburtstag an. Ich durfte endlich meinen Führerschein machen und durch die Verwandtschaft kam ich zu meinem ersten Auto – ein Trabant Kombi. Endlich nicht mehr im Regen nach Bad Saarow zur Freundin fahren, mit Freunden zur Disko im eigenen Auto. Selbständigkeit. Mobilität. Ein tolles Gefühl.
Dann kam das Abitur 1996 und mit ihm der letzte Schultag. Endlich. Ich hatte das Vergnügen von meinem Jahrgang ausgewählt worden zu sein, diesen letzten Schultag zu „moderieren“. Einige waren wohl der Meinung ich könnte gut reden und hätte keine Scheu mich mit den Lehrern „anzulegen“. Recht hatten sie, aber in die Politik wollte ich trotzdem nie, wie mir doch viele immer wieder nahelegten. Als Zahlenmensch, der Mathematik und Informatik liebt, zog mich die Wirtschaft und die Ökonomie viel mehr an. Das Planspiel Börse von der Sparkasse, damals noch ganz neu, weckte in mir die Faszination an der Finanzwelt. Aber erstmal hieß es Abschied nehmen von den Klassenkameraden. Die meisten zog es weg aus Fürstenwalde, manche weiter weg, andere nur bis nach Berlin. Es gab hier in Fürstenwalde einfach nicht genug Möglichkeiten. Sehr viele sind auch nicht wieder zurückgekehrt. Leider.
Ich musste wegen der Bundeswehr Fürstenwalde verlassen. Aus unerfindlichen Gründen war man der Meinung, dass ich mich als Fallschirmspringer ganz gut machen würde, also schickte man mich nach Wildeshausen bei Bremen. Ich hatte kurz überlegt den Wehrdienst zu verweigern, entschied mich dann aber doch dafür den Pflichtwehrdienst zu leisten. So lernte ich putzen, Wäsche zusammenlegen, Liegestütz, Zeit totschlagen, aber auch den Umgang mit und Respekt vor Waffen, sich unterzuordnen, Kameradschaft, LKW fahren und nicht zuletzt das Fallschirmspringen. Der erste Sprung aus dem Hubschrauber, ein unvergesslicher Moment. Am Ende waren es 13 Sprünge Aus dem Flugzeug oder dem Hubschrauber.
Erste Berufserfahrung
Bei all dem verlor ich allerdings nie mein Ziel aus den Augen, ich wollte Bankkaufmann werden und irgendwann an der Börse handeln. Also bewarb ich mich bei verschiedenen Banken in den alten Bundesländern und die Commerzbank in Essen schien einen „Quotenossi“ ganz gut gebrauchen zu können. Dort bot man mir an auch gleich noch ein Studium der BWL zu machen, was ich gern annahm. Also hieß es Umzug nach Essen. Die erste eigene Wohnung, alles ganz allein, ohne Familie ohne Freunde in einer fremden Stadt. Also verfeinerte ich meine Skills im Putzen, lernte Kochen, Wäsche waschen und Bügeln. Was war ich froh als ich endlich einen Laden gefunden hatte, der für einen einigermaßen erträglichen Preis meine Hemden bügelte und ich das nicht mehr selbst machen musste. Die Ausbildung schloss ich als einer von zwei Azubis von insgesamt 47 mit der Note eins ab. Ich glaube noch immer, dass man in der Commerzbank reichlich überrascht darüber war, dass die „Ossis“ doch nicht so blöd sind, wie man immer dachte. Trotzdem wollte man mich nicht an die Börse lassen und so orientierte ich mich nach Düsseldorf. Dort kam ich zu einer Tochter der WestLB, in der ich die Grundlagen für Optionen, Futures, Swaps und andere Derivate lernte. Ich beendete mein Studium mit einer Diplomarbeit über Wetterderivate und ihre Anwendung, machte eine weitere Ausbildung zum Börsenhändler der Deutschen Terminbörse EUREX.
Doch auch die WestLB sah keine Möglichkeit mich in den Börsenhandel zu lassen – vielleicht war ich auch zu unbequem, zu selbstbewusst, zu ungehorsam. Also nutzte ich meine Kontakte nach Luxembourg und wechselte zu einer Privatbank im Nachbarland. Nach zwei Jahren Pendeln zwischen Essen und Düsseldorf hieß es also erneut: Umzug. Nach Trier. Wieder eine neue Stadt, neue Menschen, neue Gegebenheiten. Zweieinhalb Jahre war ich nun damit beschäftigt in der neuen Bank ein Abwicklungssystem für Derivate auszuwählen, einzuführen, anzupassen und Kollegen im Umgang damit zu schulen.
Nachdem diese Aufgabe erfüllt war, ergab sich endlich meine Chance: ein Platz im Handel der Bank wurde frei und ich ergriff die Chance sofort. Fortan war ich für den Handel mit Währungen, Aktien, Fonds, Optionen und Futures verantwortlich. Ich hatte mein Ziel erreicht. Innerhalb von nicht einmal 7 Jahren. Aber dann geschah etwas, dass ich selbst nicht für möglich gehalten hatte. Ich fing an darüber nachzudenken, welchen Sinn dieser ganze Handel eigentlich für die Menschen hat. Ich fing an das Banksystem in Frage zu stellen. Ich merkte, dass 90 % jeglicher Bankgeschäfte überhaupt nichts mit den Menschen zu tun hat, dem sie eigentlich dienen sollten. Sie wurden und werden bis heute getätigt, um sich selbst zu dienen. Im täglichen Umgang mit Millionenbeträgen, so wie andere Menschen Brötchen kaufen, verlor ich allmählich den Bezug zum normalen Leben. Ich kann bis heute nicht genau definieren, was es war, aber ich spürte, dass mit dem System irgendetwas nicht stimmte. Also entschloss ich mich 2005 zu kündigen, die Bank zu verlassen und mit meiner damaligen Partnerin zwecks Gründung einer Familie nach Fürstenwalde zurückzukehren.
Zurück in die Heimat
Viele aus meiner Familie und Freunde konnten nicht verstehen, dass ich einen so gut bezahlten Job einfach so aufgebe, ohne eine wirkliche Alternative in der Tasche zu haben. Aber ich stellte fest, es war eine Befreiung. Es gab wichtigeres als viel Geld zu verdienen, aber zu wenig Freizeit zu haben, um es auszugeben. Die Zeit, die ich hatte, nutzte ich, um nicht dort zu sein wo ich wohnte. Reserven waren vorhanden, ich hatte einiges an beruflichen und menschlichen Erfahrungen gewonnen, also packten wir die Sachen, suchten eine Wohnung in Fürstenwalde und sehr schnell wurde klar: Ich war endlich wieder zu Hause.
2006 kam dann meine wundervolle Tochter zur Welt und im selben Jahr wagte ich den Schritt in die Selbständigkeit als Finanz- und Unternehmensberater. Ganz nebenbei hielt mich noch der Umbau meines Elternhauses zu einem Zweifamilienhaus in Atem. Wie heißt es so schön: ein Mann muss in seinem Leben ein Kind gezeugt, einen Baum gepflanzt und ein Haus gebaut haben. Im Alter von 30 Jahren hatte ich dieses Ziel ebenfalls erreicht. Im Jahre 2008 brach die Finanzkrise aus, Banken gingen pleite oder mussten gerettet werden und schlagartig wurde mir klar, dass ich mit meinem Gefühl, die Bankenwelt verlassen zu müssen, weil irgendwas nicht stimmte, genau richtig lag.
Irgendwas stimmt hier nicht – erstes politisches Interesse
Nun mussten neue Ziele her und so zog es mich Ende 2009 in den Bereich, in den ich nie wollte. Ich fing an mich für die Politik hier vor Ort zu interessieren. Ich lernte die Strukturen kennen, besuchte Stadtverordnetenversammlungen und Ausschüsse, las Drucksachen und stellte Fragen in der Einwohnerfragestunde. Dabei hatte ich das Gefühl, dass mit der Demokratie hier irgendetwas nicht stimmte. Eine kleine Minderheit der sogenannten (oder selbsternannten) Stadtgesellschaft hatte sich den großen Kuchen „Stadthaushalt“ aufgeteilt, bestimmte darüber, wer mitessen und wer nur die übriggebliebenen Krümel absammeln darf. Niemand unternahm etwas. Niemand stellte Fragen, niemand diskutierte, niemand änderte daran etwas. Also versuchte ich mit meinen Möglichkeiten als Bürger die richtigen Fragen zu stellen und das Gespräch mit allen Parteien und Fraktionen zu suchen. Doch auch hier das gleiche Schema: der Bürger gilt als Störenfried, als Unwissender, der sich gefälligst raushalten soll aus den Entscheidungen, die er eh nicht versteht. Ich stellte fest, dass alles Meckern über die große Politik ja nichts half. Aktivitäten mussten her. Da ich mich aber trotz Angeboten aus jeder Fraktion der SVV mit keiner der vertretenen Parteien identifizieren konnte, dauerte es noch bis 2013, dass ich durch einen Zufall Gleichgesinnte traf und wir uns entschlossen das Bündnis Fürstenwalder Zukunft zu gründen.
Wir sagten uns, wir nutzen die Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen, um die Demokratie wieder auf die Füße zu stellen. Wir treten zur Kommunalwahl an, um endlich wieder lebhafte Diskussionen und Fragen in der SVV zu erleben, um kontroverse Meinungen zu äußern und auszutauschen. Wenn wir es schaffen bei der Kommunalwahl ein paar Mandate zu erringen, dann wird man uns endlich zuhören müssen. Man kann uns dann nicht mehr ignorieren, so unser Kalkül. Der Erfolg gab uns recht. Wir waren ab 2014 bis 2019 mit sieben Mitgliedern bis zum Zusammenschluss von CDU und FDP die größte Fraktion in der SVV. Trotzdem wurden wir blockiert wo es nur ging. Aufklärung war nicht gewünscht, die richtigen Fragen konnte man uns nicht verbieten, aber die richtigen Antworten zu erhalten, das wurde mit allen Mitteln der Mehrheiten der Altparteien verhindert. Immer wieder sind wir gescheitert mit unseren Anträgen, die positives für die Stadt erreichen sollten.
Warum ich mich 2018 zur Wahl stellte
2018 stand die nächste Bürgermeisterwahl an. Der Amtsinhaber sollte es weiterhin richten, wenn es nach dem Willen der ewig gleichen ginge. Dies nachdem er bereits 16 Jahre als Kämmerer der Stadt einen unglaublichen Schuldenberg von über 100 Mio. Euro angehäuft hatte, illegale Spekulationsgeschäfte mit einem Schaden von rund 15 Mio. verursachte und danach 8 weitere Jahre als Bürgermeister agieren durfte. Ich sagte mir, das kann so nicht weitergehen. Es muss aufhören, dass Auswärtige, Menschen, die überhaupt keinen Bezug zu dieser Stadt haben, sagen, wo es langgeht. Im BFZ bestand da längst Einigkeit, dass wir mit dem Selbstbewusstsein der stärksten Fraktion natürlich auch einen Bürgermeisterkandidaten stellen. Also wurde Familienrat gehalten und gemeinsam beschlossen wir, dass ich antrete. Also wurde ich am 24. Juni 2017 gemeinsam vom Bündnis Fürstenwalder Zukunft und den Brandenburger Vereinigten Bürgerbewegungen/Freie Wähler zum Bürgermeisterkandidaten nominiert. Es folgte ein harter Wahlkampf mit den etablierten Parteien. Linke, SPD, Grüne, FDP und auch die AfD unterstützten den Amtsinhaber und die CDU stellte auch eine Kandidatin auf. Meine Themen von damals können in meiner Broschüre 2018 (Link) nochmal nachgelesen werden.
Der Widerstand nach der Wahl
Bereits ab dem Tag meiner Wahl am 25.2.2018 hatte ich mit Widerständen zu kämpfen. Sowohl von innen, als auch von außen. Bereits am 26.2.2018 wurde von meinen politischen Gegnern von „einem schwarzen Tag“ für Fürstenwalde fabuliert oder gar den Wählerinnen und Wählern die Mündigkeit abgesprochen. Politische Vertreter wollten von Anfang an das demokratische Ergebnis nicht anerkennen und torpedieren es bis heute. Ich werde in der Öffentlichkeit unmöglich gemacht, auf der persönlichen Ebene angegriffen oder schlicht mit Falschaussagen bekämpft. Teile der Stadtverordnetenversammlung wollten mich beurlauben, sie haben versucht mich mit juristischen Mitteln über Disziplinarverfahren aus dem Amt zu bekommen und als das alles nicht half, wurde ein Antrag zu meiner Abwahl gestellt. Auch dieser war nicht erfolgreich und es folgte ein ebenso erfolgloser Versuch einer Unterschriftensammlung für ein Bürgerbegehren zu meiner Abwahl. Gleichzeitig gab es eine Reihe von Mitarbeitenden der Verwaltung, die mich offen und versteckt bekämpften. Vertrauliche Gespräche waren nur bedingt möglich. Interne Arbeitsaufträge wurden veröffentlicht, alles wurde nach draußen an die Stadtverordneten oder die Presse getragen. Alles diente dem Ziel meine Führung in Frage zu stellen. Aufträge wurden nicht bearbeitet und wenn ich Druck machte, wurden Krankenscheine eingereicht. Teilweise monatelang.
Die damalige Gleichstellungsbeauftragte nutzte ihre besondere Position nicht zum Wohle der Beschäftigten, sondern dazu mich zu blockieren. Personen in wichtigen Positionen kandidierten für den Personalrat, um einerseits unkündbar zu sein und andererseits meine Arbeit zielgerichtet ausbremsen oder gar torpedieren zu können. Mir wurde unterstellt, dass ich Mitarbeitende mobben würde und die angeblich Gemobbten installierten gemeinsam mit der Mehrheit der SVV zwei sogenannte Mobbingbeauftragte, deren Aufgabe darin bestehen sollte, mir das Mobbing nachzuweisen. „Leider“ war auch dies nicht von Erfolg gekrönt. Zwei dieser ehemaligen Mitarbeitenden, die erst gegen mich arbeiteten, dann im Personalrat blockierten und anschließend unter Tränen das Mobbinglied in der SVV sangen, sitzen heute in der Stadtverordnetenversammlung. Weiter mit nur einem Ziel, mich zu verleumden und meine Arbeit zu blockieren.
Als Bürgermeister immer “All-in”
Aber ich bin ein Kämpfer. Mein Ehrgeiz zur Zielerreichung steigt, je höher der Widerstand ist und je höher die Hürde wird, die mir in den Weg gestellt wird. Ich weiß, was ich tue, ich bilde mich weiter, ich lese nach und erarbeite mir Wissen, weit über das übliche Maß hinaus. Ich stelle die richtigen Fragen und ich erkenne logische Zusammenhänge. Acht Jahre lang musste ich das beweisen als der Quereinsteiger, der ja keine Ahnung von Verwaltung hat. Immer wieder musste ich meine Zeit damit zubringen, nachzuweisen, dass meine (auch rechtliche) Einschätzung korrekt war und nicht etwa die derjenigen, die meine Weisungen und Aufträge in Frage gestellt haben. Wie heißt es so schön: „Alle haben gesagt, das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat es einfach gemacht.“ Das alles heißt aber nicht, dass ich nicht reflektiere, nicht mein eigenes Handeln hinterfrage. Das tue ich sehr wohl. Jeden Tag. Acht Jahre lang.
Ich hatte 2018 ein Wahlprogramm aufgeschrieben, das es einerseits in sich hatte, aber für das ich am Ende auch gewählt worden war. Dieses war für mich Auftrag und Leitplanke. Ich trage es seit meiner Wahl jeden Tag bei mir. Einerseits um mich daran zu erinnern, was ich versprochen hatte und andererseits um meinen Gegenüber deutlich zu machen, was der Auftrag meiner Wählerinnen und Wähler ist. Und auch diesen Auftrag habe ich immer wieder abgebglichen und hinterfragt. Meine Bürgermeistersprechstunde, die ich nur im Ausnahmefall ausfallen lassen habe, war dafür ein sehr gutes Mittel. Aber nicht nur dort, sondern auf Festen, bei Veranstaltungen, bei Ehrungen, bei Sportevents oder Turnieren, in Schulen und in Kitas, bei Unternehmern, am Bahnhof, auf Parkplätzen, in Geschäften, auf der Straße und bei unzähligen weiteren Begegnungen habe ich den Menschen aufmerksam zugehört. Ich erhielt Kritik, aber auch großen Zuspruch. Ich habe tausende Fragen beantwortet und manchmal war es einfach nur die Erklärung eines Sachverhaltes, die den Menschen weitergeholfen hat. Manchmal war es ein einfacher Tipp oder ein gemeinsames Herantasten an die Lösung. Ich habe stets die Gelegenheit gesucht, mich mit Menschen auszutauschen, die gerade nicht zu meinem täglichen Umfeld gehören, oft auch Menschen, die eher zu Kritik neigen oder in offener Abneigung zu mir agieren. Nur so gewinnt man wertvolle Erkenntnisse für das eigene Handeln. Ich bin unbequem und ich gehe oft den unbequemen Weg, denn nur wenn man seine Komfortzone verlässt, kann man lernen, den eigenen Blick weiten und den eigenen Weg nachschärfen.
Die Rückmeldungen von außen, mein Antrieb.
Zwei Dinge sind mir in all der Zeit immer wieder begegnet. Respekt für mein umfangreiches (Detail-)Wissen und die Fähigkeit mich in so viele Sachverhalte in kürzester Zeit eingearbeitet zu haben. Respekt dafür, diese vielen weitestgehend haltlosen Anschuldigungen und Kritik vom politischen Gegner auszuhalten und trotzdem geduldig weiter zu arbeiten. Wie oft habe ich nach einer Sitzung den Satz gehört oder gelesen: „Herr Rudolph, Respekt wie Sie so lange ruhig und geduldig geblieben sind, ich wäre an Ihrer Stelle komplett ausgetickt.“ Was ich nie erlebt habe: persönliche Angriffe unter der Gürtellinie, Handgreiflichkeiten, Bedrohungen oder unsachliche Auseinandersetzungen in persönlichen Begegnungen mit „normalen“ Einwohnerinnen und Einwohnern. Diese kamen stets nur von den selbsternannten Hütern „unserer“ Demokratie, von Linken, SPD, Grünen, FDP und CDU (niemals von der AfD).
Ich bin überzeugt, die Menschen dieser Stadt brauchen ihre Projektionsfläche. Die Presse, um mit reißerischen Überschriften Aufmerksamkeit zu erzeugen und Geld zu verdienen, die Kritiker und Meckerer, um jemanden zu haben, der Schuld ist und viele andere, die wie ich daran glauben, dass Fürstenwalde eine tolle Stadt ist, mit einzigartigen Gegebenheiten und Chancen, die es zu nutzen gilt. Diese Rolle übernehme ich gern, weil es einen braucht, der dies alles aushalten kann, der trotzdem nicht den Fokus, die Menschlichkeit und den Blick auf das Ganze verliert, der über den Tellerrand hinausblickt, der mit Geduld, Beharrlichkeit und Herzblut für diese Stadt brennt, weil es uns alle am Ende nach vorn bringt. Für meine Heimatstadt und alle Menschen hier.