Pendlerpotenzial nutzen – Arbeit nach Fürstenwalde holen
Wenn viele Menschen auspendeln, zeigt das vor allem eines: Kompetenz und Arbeitskraft sind vorhanden. Offenbar glauben viele jedoch, dass sie andernorts bessere Verdienstmöglichkeiten haben oder bestimmte Arbeitsplätze nur außerhalb von Fürstenwalde finden. Ich möchte, dass wir genau daraus eine Strategie entwickeln: mehr Arbeitsplätze in Fürstenwalde schaffen, mehr Wertschöpfung vor Ort halten und mehr Gründe geben, hier zu bleiben.
Manche verbringen drei oder vier Stunden täglich auf dem Weg zwischen Wohn- und Arbeitsort. Wenn es gut läuft. Stau auf der Autobahn oder unzuverlässige Bahnverbindungen verlängern diese Zeit immer wieder. Diese Stunden fehlen dann für Familie, Freunde oder Engagement vor Ort – zum Beispiel in Vereinen, in der Nachbarschaft oder in Schulen und Kitas.
Viele Menschen erinnern sich deshalb an frühere Zeiten, in denen der Alltag einfacher organisiert war. Zwei Dinge waren damals entscheidend: Arbeit und Wohnort lagen meist näher beieinander, und grundlegende Dinge wie Wohnung, Arbeit oder Sicherheit waren für viele planbarer.
Heute sieht der Alltag vieler Pendler anders aus. Wer jeden Tag lange unterwegs ist, hat unter der Woche oft kaum Zeit für soziale Kontakte oder ehrenamtliches Engagement. Dabei verdienen viele Menschen außerhalb von Fürstenwalde gar nicht so viel mehr, dass sich diese Belastung wirklich lohnt.
Dazu gehört für mich auch ein Pendlerkonzept, das nicht nur Verkehr organisiert, sondern Standortpolitik ist: Wie kommen Fachkräfte besser nach Fürstenwalde, wie bleiben sie hier, welche Rahmenbedingungen brauchen Unternehmen, um sich anzusiedeln?
Sie kennen das Problem:
Sie kommen abends von der Arbeit zurück und Ihr Fahrrad wurde beschädigt. Morgens suchen Sie einen Parkplatz am Bahnhof. Der Bus passt nicht zu den Zugzeiten. Und am Ende stehen Sie wieder im Stau.
Rund 8.000 Fürstenwalderinnen und Fürstenwalder pendeln täglich nach Berlin oder Frankfurt (Oder). Sie nehmen lange Wege in Kauf – und entscheiden sich trotzdem bewusst für das Leben in Fürstenwalde. Das verdient Respekt. Und es verpflichtet die Stadt, ihren Teil dazu beizutragen.
Ich habe 2018 gesagt: Das muss sich ändern.
Und an dieser Haltung hat sich nichts geändert.
Ihre Wege betreffen Verkehr, Parkraum, Sicherheit, Lebensqualität und am Ende auch die wirtschaftliche Stärke Fürstenwaldes.
Ein zentrales Thema waren sichere Fahrradabstellmöglichkeiten.
Heute stehen rund 50 abschließbare Fahrradboxen am Bahnhof zur Verfügung. Das war ein erster Schritt. Noch nicht sehr erfolgreich.
Mit dem neuen Fahrradparkhaus auf der Nordseite der Bahn setzen wir genau hier an – größer gedacht, sicherer, wettergeschützt und zukunftsfähig. Wer morgens sein Rad abstellt, soll es abends auch wiederfinden.
Auch beim Thema Radwege arbeiten wir daran, Lücken zu schließen und Schul- sowie Alltagswege sicherer zu machen. Das passiert nicht über Nacht, aber kontinuierlich.
Was weiterhin gilt
Ich bin überzeugt: Gute Pendlerbedingungen und weniger Verkehr in der Innenstadt widersprechen sich nicht. Im Gegenteil.
Wenn wir klug planen, profitieren alle:
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- bessere Abstimmung von Bus- und Bahnzeiten
- sichere Fahrradabstellung
- sinnvolle Parkraumnutzung
- verlässliche Taktungen im ÖPNV
- weniger unnötiger Suchverkehr
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Ich halte es für richtig, den öffentlichen Nahverkehr zwischen 5 und 22 Uhr verlässlich zu gestalten. Wer arbeiten geht, darf nicht vom Fahrplan überrascht werden.
Mobilität ist kein ideologisches Projekt. Sie ist eine Frage der Organisation, der Abstimmung und der Verlässlichkeit. Wenn Bus, Bahn, Fahrrad und Parkraum zusammenpassen, wird der Alltag einfacher – für Pendler und für die Innenstadt gleichermaßen.