Die Sorge um ärztliche Versorgung höre ich in Fürstenwalde immer wieder: Hausärzte, Fachärzte, lange Wartezeiten, Erreichbarkeit. Diese Sorge ist berechtigt – und sie ist kein rein lokales Phänomen. Aber sie trifft uns hier ganz konkret.

Zunächst ist wichtig, ehrlich zu sagen, was eine Stadt beeinflussen kann – und was nicht. Ärztliche Niederlassungen werden nicht von der Kommune gesteuert. Zuständig sind unter anderem die Kassenärztliche Vereinigung, gesetzliche Bedarfsplanungen und landesweite Rahmenbedingungen. Rein statistisch gilt Fürstenwalde in vielen Bereichen nicht als unterversorgt – auch wenn sich das im Alltag für viele Menschen anders anfühlt.

Ein wesentlicher Faktor ist unsere Nähe zu Berlin. Sie ist Chance und Problem zugleich. In der Metropolregion gibt es eine hohe Ärztedichte, bessere Verdienstmöglichkeiten und mehr privatversicherte Patienten. Das erschwert es Städten wie Fürstenwalde im Wettbewerb um Niederlassungen zu bestehen. Gleichzeitig verändert sich der Arztberuf selbst: Viele Ärztinnen und Ärzte möchten heute angestellt arbeiten, in MVZ oder Kliniken – mit planbaren Arbeitszeiten und weniger unternehmerischem Risiko. Die klassische Einzelpraxis wird seltener.

Hinzu kommt der demografische Effekt auch bei den Ärzten. In unserer Region liegt der Anteil der Ärzte im Alter über 60 Jahren bei rund 40%. Wir dürfen nicht abwarten bis diese Ärzte in Rente gehen, sondern müssen die Spielräume nutzen, die wir haben.

Deshalb habe ich frühzeitig die Initiative ergriffen. Wir haben gemeinsam mit der Wohnungswirtschaft untersucht, was Ärztinnen und Ärzte konkret brauchen, um sich in Fürstenwalde niederzulassen: Erreichbarkeit, Barrierefreiheit, Parkmöglichkeiten, moderne Räume, funktionierende Infrastruktur. Diese Erkenntnisse haben wir nicht in der Schublade verschwinden lassen, sondern in konkrete Schritte übersetzt.

Ein zentraler Baustein ist dabei das Rathauscenter am Markt. Mit dem Umzug der Kernverwaltung werden dort Flächen frei – in allerbester Lage, barrierefrei erreichbar, mit Tiefgarage und direkter Anbindung. Mein Ziel ist klar: medizinische Versorgung im Herzen der Stadt stärken.

Ich habe persönlich Kontakte geknüpft, Gespräche geführt und Besichtigungen begleitet. Aktuell gibt es konkrete Zusagen und ernsthafte Interessen: Zwei Allgemeinärzte, eine große Physio- und Ergotherapiepraxis sowie eine Zahnärztin mit einem zahnärztlichen Labor planen den Einzug. Weitere Fachrichtungen – darunter eine Frauenärztin – sind im Gespräch. Ziel ist eine spürbare Verbesserung der Versorgung in Fürstenwalde-Mitte.

Parallel behalten wir auch andere Standorte im Blick: die Weiterentwicklung des Ärztehauses in Nord sowie perspektivische Lösungen für Süd im neuen Wohngebiet in der Spreevorstadt. Versorgung muss erreichbar sein – für alle Stadtteile.

Dabei verschweige ich nicht die Grenzen: Zu viel Bürokratie im Gesundheitswesen bindet Zeit und Geld, die am Ende bei der Behandlung fehlen. Das können Kommunen nicht lösen, aber wir müssen es benennen.

Eine große Chance liegt in den regionalen Weiterbildungsnetzwerken. Deren Ziel ist die Bindung von Ärzten in Weiterbildung im ländlichen Raum. Um die Schnittstelle zwischen Ärzten, Netzwerk und Verwaltung zu bilden, wird ein Kümmerer benötigt. Das wurde mir auch bereits durch die Ärzteschaft gespiegelt. Einen solchen Kümmerer bzw. Koordinator möchte ich in der Verwaltung schaffen.

Mein Anspruch ist klar: Fürstenwalde soll eine Stadt sein, in der medizinische Versorgung erreichbar, modern und alltagstauglich ist – Schritt für Schritt.