Eisenbahnstraße

 
Die Eisenbahnstraße ist für viele Menschen in Fürstenwalde mehr als nur eine Straße. Viele verbinden sie mit persönlichen Erinnerungen Sie war über Jahrzehnte ein zentraler Einkaufs- und Begegnungsort: kleine Läden, der Bäcker, der Fleischer, der Fischhändler – Alltag spielte sich hier ab. Die geschlossene Bahnschranke am Ende der Straße führte regelmäßig zu Rückstau – man wartete gemeinsam, man kannte sich. Das war soziales Leben im Alltag, das „Facebook von früher“.
 
Diese Zeit ist vielen vertraut, und auch ich erinnere mich gern daran. Sie gehört zur Stadtgeschichte und prägt die Erwartungen, die bis heute mit der Eisenbahnstraße verbunden sind.
 
Gleichzeitig hat sich Fürstenwalde – wie viele Städte – strukturell stark verändert. Vor rund zwanzig Jahren wurden neue Schwerpunkte im Bereich des Marktes gesetzt und Kaufkraft bewusst gebündelt. Mit den großen Einkaufsstandorten im Norden und Süden wurde sie zusätzlich aus der Innenstadt verlagert. Einkaufswege und -verhalten haben sich verändert. Diese Entwicklung lässt sich nicht rückgängig machen – so sehr man sich das manchmal wünscht.
 
Die Eisenbahnstraße wird unter heutigen Rahmenbedingungen nicht die „Bölschestraße von Fürstenwalde“ werden. Das offen zu benennen ist keine Abwertung, sondern Ehrlichkeit.
 
Die Straße ist heute geprägt von Mietshäusern mit Ladenpassagen und einer Vielzahl privater Eigentümer. Diese Strukturen kann eine Stadtverwaltung nicht steuern – weder in der Nutzung noch in der wirtschaftlichen Tragfähigkeit. Hinzu kommen bauliche Entscheidungen wie der Rückbau der Bahnschranken und Beendigung des Durchgangverkehrs, die das heutige Erscheinungsbild maßgeblich prägen.
 
Neben diesen strukturellen Fragen spielt für viele Menschen das Sicherheitsgefühl eine zentrale Rolle. Die Eisenbahnstraße wird teilweise als Angstraum wahrgenommen – unabhängig davon, wie einzelne Lagen statistisch bewertet werden. Für den Alltag zählt das subjektive Empfinden. Beleuchtung, Sauberkeit, Ordnung und sichtbare Präsenz sind deshalb Grundvoraussetzungen für Vertrauen und Nutzung des öffentlichen Raums. Hier braucht es klare ordnungsrechtliche Präsenz und konsequentes Handeln. Deshalb brauchen wir eine Stadtpolizei
 
Ein konkreter Schritt war der Erwerb und Abriss des Gebäudes Eisenbahnstraße 118. Ziel war es, eine städtebaulich problematische Situation aufzulösen und Entwicklung überhaupt erst wieder zu ermöglichen. Das zeigt: Die Stadt zieht sich nicht zurück, sondern greift dort ein, wo sie Verantwortung übernehmen kann.
 
Gleichzeitig gilt auch hier: Die Stadt kann Rahmen setzen, ordnen, investieren und öffentliche Räume verbessern. Sie kann jedoch keine privaten Geschäftsmodelle ersetzen und kein Einkaufsverhalten erzwingen. Verantwortung heißt auch, diese Grenzen offen zu benennen.
 
Die Eisenbahnstraße bleibt damit ein wichtiger Teil des Stadtgefüges – mit einer anderen Rolle als früher und mit anderen Erwartungen als an den historischen Kern der Innenstadt.
 
Für die Belebung der Innenstadt konzentriere ich mich deshalb bewusst auf die Altstadt rund um Dom, Tuchmacherstraße, Mühlenstraße, Schlossstraße und Rathausstraße. Dort lassen sich begrenzte Mittel bündeln und dauerhaft Aufenthaltsqualität schaffen. Für die Eisenbahnstraße stehen Ordnung, Sicherheit und realistische Entwicklungsschritte im Vordergrund – für die Altstadt die gezielte Stärkung als lebendiges Zentrum.